Bürgermeisterinnenwahl in Jüterbog
Jüterbog hat gewählt: die neue Bürgermeisterin der Stadt Jüterbog heißt Christiane Lindner-Klopsch (parteilos). Sie setzte sich mit 53,6 Prozent der gültigen Stimmen gegen die vom Bürgerbündnis Jüterbog (BBJ) und SPD gestützte Sabrina Dimde (parteilos) in der Stichwahl durch. Die Wahlbeteiligung insgesamt lag allerdings bei lediglich 50,2 Prozent.
Man könnte meinen, das Ergebnis sei im »konservativen Jüterbog« wenig überraschend. Bemerkenswert ist jedoch, dass nur rund ein Viertel der Wahlberechtigten (26,43 %) aktiv ihre Stimme für Lindner-Klopsch abgaben. Und das offenbar ohne größeren Wert auf konkrete politische Inhalte zu legen. Ihre zentrale Botschaft im Wahlkampf: »Weiter so«. Inhaltliche Positionierungen? Fehlanzeige. Ob bewusst oder aus Mangel an Strategie bleibt offen.
Sabrina Dimde hingegen präsentierte klare Ziele und eine erkennbare politische Haltung, stark an der Programmatik der SPD orientiert. Vielleicht war genau das der Knackpunkt: eine zu eindeutige Positionierung in einer Stadt, in der parteipolitische Etiketten offenbar eher skeptisch betrachtet werden. Beide Kandidatinnen betonten ihre Unabhängigkeit, bedienten sich jedoch zugleich parteinaher Unterstützungsstrukturen, was einen gewissen Beigeschmack von Etikettenschwindel hinterlässt.
Kritisch zu bewerten ist auch der fehlende Umgang mit Unterstützung aus dem extrem rechten Spektrum. Lindner-Klopsch erklärte zwar, sie habe keinen Einfluss darauf, wer ihre Inhalte teile (die AfD), distanzierte sich jedoch nicht klar und öffentlich. Dieses Verhalten erinnert an ihren Amtsvorgänger – und wir wissen, wohin dessen Weg letztlich führte.
Natürlich konnte sich auch der erwähnte ehemalige Bürgermeister nicht gänzlich aus dem Wahlkampf heraushalten. Dabei wollte er doch eigentlich keine Wahlempfehlung aussprechen und sich tatsächlich mal mit seiner eigenen Meinung zurückhalten. Das klappte letztendlich nicht und ihm war es scheinbar ein dringendes inneres Anliegen, Frau Dimde in Social-Media mit abstrusen Vorwürfen zu diffamieren. Natürlich kurz vor der Wahl, das versteht sich ja von selbst. Wer seine Gunst genoss, war ohnehin kein Geheimnis.
Was bleibt also nach dieser Wahl? Jüterbog hat sich für acht weitere Jahre »Weiter so« entschieden. Die neue Bürgermeisterin gibt sich betont neutral. Die nächsten Monate werden zeigen, ob daraus Gestaltungswille oder bloße Verwaltung des Status quo erwächst.
Parteimitglied werden kann man hier.
Linksblick und Einblicke
