8. Mai 2010

Frieden, das soll und muss die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder sein

Liebe Bürgerinnen und Bürger Jüterbogs, liebe Freunde, Genossinnen und Genossen!

Wir begehen heute den 65. Jahrestag der Befreioung Deutschlands vom Faschismus, das Ende des zweiten Weltkrieges.
Ich habe die Schrecken des Krieges am eigenen Leibe gespürt. Im Jahr 1945 war ich Schüler in einer zweiten Klasse einer Dresdener Schule. Im Mai wurde allerdings in Dresden nicht mehr unterrichtet. Drei Monate zuvor wurde diese wundervolle Stadt an der Elbe, das Elbflorenz, durch anglo-amerikanische Bomben fast völlig zerstört.

Am 13. Februar, ein Faschingsdienstag, waren wir, das heißt meine Mutter, meine Schwester und ich bei meiner Großmutter in Johannstadt, einem Stadtteil Dresdens nahe dem Zentrum zu Gast.

In der Nacht wurden wir durch das Auf-und Abschwellen der Sirenen geweckt. Das passierte damals sehr oft; aber wir alle nahmen an, dass die Kunst-und Kulturstadt Dresden von Bombenangriffen verschont bleiben würde.

Am 13. Februar sollten wir eines Besseren belehrt werden. Im Keller hörten wir die Explosionen. Eine Sprengbombe traf das Nachbarhaus. Dort hat niemand diese Nacht überlebt.

Das Mietshaus meiner Großmutter, hier wohnten 30 oder mehr Personen, ging in Flammen auf. Wir konnten uns mit Mühe und Not durch das Schaufenster eines Fleischerladens im Erdgeschoß auf die Straße retten. Der Hauseingang war schon verschüttet. Auf der Straße traf uns ein Feuersturm. Ohne meine Großmutter, ohne meine Mutter hätte ich bzw. meine kleine Schwester die etwa 200 m entfernte Elbe nicht erreicht. Ich könnte heute diese Worte nicht sprechen.
Am Ufer der Elbe sahen wir dann das Panorama der brennenden Stadt. Dieses Bild werde ich niemals vergessen und es verfolgte mich noch jahrelang in meinen Träumen. Und auch heute noch kommt es vor, dass ich beim Ton der Sirene am Mittwoch 15 Uhr zusammenzucke.

Insofern bin ich also ein Zeitzeuge des zweiten Weltkrieges, der von Deuitschland ausging und nach Deutschland zurückkehrte.
Und auch deshalb habe ich alles versucht, was in meinen Kräften stand, eine Wiederholung solcher Ereignisse zu verhindern und werde es auch in Zukunft tun.

Zum Abschluss ein paar Zeilen aus dem Friedenslied von Bert Brecht frei nach Pablo Nerude.

Friede auf unserer Erde,
Friede auf unserem Feld.
Dass es auch immer gehöre
Dem, der es gut bestellt.

Friede in unserem Lande,
Friede in unserer Stadt,
Dass es den gut behause,
der sie gebauet hat.

Frieden, das soll und muss die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder sein.