29. Mai 2010

Alles für die Jugend?

Ich möchte mich mit diesem Leserbrief noch einmal als Stadtverordnete an die Bürger und Bürgerinnen der Stadt Jüterbog wenden, um mein Unverständnis für die gestrige Stadtverordnetenversammlung zum Ausdruck zu bringen.

Da es viele Meinungsaüßerungen gab und viele Argumente ausgetauscht wurden, möchte ich mich kurz fassen, um nicht noch mehr Missverständnisse zu verursachen.

Die Stadt Jüterbog hat die besondere Gelegenheit mit Hilfe von Fördermitteln für die Jugendlichen eine Skateanlage zu errichten. Ohne diese Fördermittel wäre das nicht möglich gewesen, da das die finanzielle Lage der Stadt nicht hergibt.

Es ist richtig, dass das Problem seit ca. fünf Jahren besteht und genau das müssen sich alle Bürger einmal auf der Zunge zergehen lassen. Seit fünf Jahren kämpfen hier Jugendliche um ihr Objekt. Zwischenzeitlich ist zwar das Interesse ein wenig eingeschlafen, dennoch wurde es immer im Auge behalten.

Es ist richtig, dass die Stadtverwaltung zunächst mit den Jugendlichen und ihrem Sozialarbeiter Herrn Lehmann Standorte gesucht haben, die für die Jugendlichen in Frage kämen. Das ist doch aber ganz legitim. Jeder andere würde doch auch erst ernsthaft ein Grundstück suchen, wenn er weiß, dass er die finanziellen Mittel dazu hat. Die Jugendlichen wollen diesen Platz nutzen und vor allem für sich annehmen. Hinzu kommt, dass bisher nicht klar war, dass wir die Fördermittel jemals bekommen. Jetzt haben wir als Stadt jedoch den Bescheid und es wurden uns Fristen gesetzt. Fakt ist, der Standort muss dieses Jahr bebaut werden, sonst ist das Projekt gestorben.

Ich kann nach wie vor nicht verstehen, warum es so viele Stadtverordnete gibt, die unbedingt den Standort an der Skatearena wollen. In der Stadtverordnetenversammlung wurde völlig aneinander vorbeigeredet. Ich behaupte sogar, dass einige Stadtverordnete das Thema verfehlt haben.

Es geht hier nicht um eine Touristenattraktion, auch wenn sich die Stadt Jüterbog den Tourismus auf die Fahne geschrieben hat (so Herr Mertens Worte in der Stadtverordnetenversammlung), sondern um ein städtisches Freizeitobjekt für die Jugendlichen unserer Stadt, die unsere Schulen besuchen, die unsere Freizeitobjekte nutzen und die sich eben nicht außerhalb der Stadt aufhalten wollen, sondern ihre Stadt mögen.

Ich kann ein kleines bisschen die Angst der Anwohner vom Waldauer Weg verstehen, möchte aber an die Anwohner appellieren, den Jugendlichen ihr Vertrauen zu schenken. Die Stadt hat mit Herrn Lehmann einen Sozialarbeiter, der intensiv mit den Jugendlichen zusammenarbeitet. Selbst die Polizei hat engen Kontakt zu den Jugendlichen. Wie oft höre ich, dass unsere Jugendlichen zu dick sind, dass sie vor dem Fernseher oder der Playstation „verblöden“, dass sie nur noch Gewaltvideos gucken u.s.w.

Hier wollen Jugendliche unserer Stadt lediglich in ihrer Freizeit friedlich und vor allem gemeinschaftlich mit ihrem Skateboard fahren.

Ich appelliere an die Bürger der Stadt doch auch einmal stolz auf unsere Jugendlichen zu sein.

Im Übrigen besteht Jüterbog nicht nur aus dem Kern Jüterbog, sondern es gehören noch viele Ortsteile dazu. Auch diese Jugendlichen besuchen unsere Schulen. Diese Jugendlichen müssen bereits täglich sehr früh aufstehen, um mit dem Bus zur Schule zu fahren. Im Waldauer Weg hätten sie die Möglichkeit in fünf Minuten an ihrem Skateplatz zu sein und könnten gemütlich mit dem letzten Bus nach Hause fahren. Bis zur Skateareana könnte keiner dieser Jugendlichen fahren, da sie sonst nicht mehr mit dem Bus nach Hausen fahren könnten.

Das wir die Jugendlichen gestern so nach Hause geschickt haben, ist mir persönlich unangenehm und peinlich. Wir haben uns als Gremium in meinen Augen lächerlich gemacht. Mit dem Antrag von Frau Rückert, die beiden anderen Standorte (hinter der Schollschule und Skatearena) innerhalb von vierzehn Tagen noch einmal zu prüfen, was im übrigen kaum machbar ist, haben wir wieder kostbare Zeit verschwendet und vor allem haben wir unseren Jugendlichen wieder ein Stück Hoffnung von ihrem Traum genommen.

Ich werde in der nächsten Stadtverordnetenversammlung für das Objekt stimmen, was die Jugendlichen wollen, das hat für mich oberste Priorität.

Das Objekt ist nicht für Touristen gedacht, sondern für die Jugendlichen unserer Stadt, die noch lange das Stadtleben von Jüterbog bereichern sollen.

Die gestrige Stadtverordnetenversammlung hat wieder dazu beigetragen, die Politikverdrossenheit unserer Jugendlichen zu erhöhen. Ich würde mich auch nicht mehr ernst genommen fühlen.

K. Jung

Stadtverordnete

Hier finden Sie den Artikel in der MAZ: Skate-Anlage in der Warteschleife